Bilderbogen II

Günter Grass

Bilderbogen II

Beschreibung

»Meine Box macht Bilder, die gibt’s nicht. Und Sachen sieht die, die vorher nicht da waren. Oder zeigt Dinge, die möchten euch nicht im Traum einfallen. Ist allsichtig, meine Box. Muß ihr beim Brand passiert sein. Spielt verrückt seitdem.«

In der Figur des »Mariechen« tritt die Fotografin Maria Rama mit ihrer Afga-Box in Grass' autobiografischem Roman Die Box. Dunkelkammergeschichten (2008) auf. Die Freundin des Schriftstellers begleitet ihn und dessen Familie seit den 1950er Jahren fotografisch. Als literarische Figur durchzieht sie mit ihrem Fotoapparat das Werk. Die Lithografie versammelt einige dieser Darstellungen der Fotografin, die sie in den unterschiedlichsten Positionen beim Fotografieren zeigen. Sie wirken wie humorvolle Bewegungsstudien, die an Karikaturen erinnern und dadurch die lockere Sprache der Erzählung aufgreifen.

Im Roman ruft der Autor-Erzähler Grass seine acht Kinder zusammen – vier aus der ersten Ehe mit Anna, zwei außereheliche Mädchen und die zwei Jungen, die Ute Grass aus ihrer ersten Ehe mitbringt –, um sich mit ihnen über die Vergangenheit zu unterhalten. Die Namen der Kinder sind im Buch verfremdet. Es werden große und kleine Alltagsgeschichten aus dem Leben der Patchworkfamilie geschildert, die sich mit der literarischen und politischen Tätigkeit des Autor-Erzählers vermischen. Im Ton und durch die Einbindung autobiografischer Elemente weist der Roman Parallelen zu Grass' Prosastück Aus dem Tagebuch einer Schnecke (1972) auf, in dem ebenfalls einige seiner Kinder auftreten. Mit dem einleitenden Satz »Es war einmal ein Vater...« stellt Grass Die Box in die Tradition eines modernen Märchens. Dies bietet ihm die Möglichkeit, fantastische Elemente in das alltägliche Familienleben einfließen zu lassen wie etwa »Mariechens« Foto-Box, die »nicht nur in die Vergangenheit, sondern sogar in die Zukunft gucken« kann.

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